2017 und die gute Kommunikation

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al ehrlich, fühlen Sie sich missverstanden? Wir meinen das ganz pragmatisch, hier ein Beispiel: Sie schreiben Ihrem Kunden eine E-Mail. Im dritten Absatz weisen Sie darauf hin, dass Sie in den kommenden Tagen im Ausland unterwegs und telefonisch nicht erreichbar seien. Kaum zurück, ruft der Kunde empört an. Warum Sie nicht auf seine Anrufe reagiert hätten? Nachdem er aufgelegt hat, suchen Sie die Mail im Postausgang. Kein Zweifel, die Abwesenheits-Info stand drin. Was also ist passiert? 

Sie sind ein Opfer des „Too long, did not read“-Phänomens. Das hat sogar eine eigene Abkürzung: „tl;dr“. Wer in der Online-Kommunikation noch auf lange Texte setzt, muss damit rechnen, dass der Empfänger nicht bis zum Ende liest. Das gilt für alles, was im Internet so veröffentlicht wird, evtl. abgesehen von Kochrezepten für Weihnachtsmenüs.

Weitere Beispiele für Kommunikationslücken erspare ich mir, wir haben ja alle keine Zeit. Das muss auch der Grund sein, warum manche Mails ganz unbeantwortet bleiben. Im Sinne des weihnachtlichen Friedens unterstellen wir hier nie böse Absicht. Denn der Grund ist struktureller Natur. Es liegt an der Art, wie sich Kommunikation im digitalen Zeitalter entwickelt. Folgende Gedanken dazu möchte ich Ihnen in die stillen Tage mitgeben:

  • Die Aufforderung, zu kommunizieren, trifft uns immer häufiger unvorbereitet. Über WhatsApp und andere Messenger sogar in Echtzeit. Wer sich nicht vorbereiten kann, der kann nicht professionell reagieren, sendet im Zweifel uneindeutige Signale. Schon reisen wir ins Land der Missverständnisse. Gute Kommunikation braucht Zeit.

  • Es gibt kaum noch gesellschaftlich etablierte Rahmenbedingungen für Kommunikation. Wir kommunizieren nach Bauchgefühl, auch schriftlich. 

  • Eigentlich hat jeder Kommunikationspartner eine an seinen Erwartungen ausgerichtete Form verdient. Was aber, wenn sich Sender und Empfänger noch nie begegnet sind? Wir machen uns dann zwangsläufig ein Bild vom Anderen, handeln danach – und liegen allzu häufig falsch.

  • Es fehlt häufig an Empathie gegenüber dem Gesprächspartner. Denn wer sich überlegen will, was der Andere eigentlich wirklich meint, braucht dafür Zeit. Und die fehlt.

  • Unsere Kommunikation muss erst einmal sichtbar werden, da unsere Gegenüber ständigen Signalen und einer Flut von Bildern, Texten, Videos ausgesetzt sind. 

Sehen Sie jetzt, wie gut dieses Thema zu den Feiertagen passt? Wir werden uns in der ruhigen Zeit im Zuhören üben. Das scheint uns gerade in Zeiten anhaltender Missverständnisse der richtige Ansatz: Hören, verstehen, evtl. auch nachfragen – und dann erst antworten.  

Verständnis und Verständigung zu erreichen, wird auch 2018 immer wichtiger werden. Denn der Rückblick auf 2017 zeigt: Die Wahrheit muss gelebt, gepflegt und sogar verteidigt werden. Dazu bedarf es Mut zu guter Kommunikation, die nicht doziert, sondern Herz und Bauch erreicht. Wir bedanken uns herzlich bei Allen, für die wir diese umsetzen dürfen. Sie bewegen uns, und zwar in die richtige Richtung.

Schöne, friedvolle Feiertage und ein tolles Jahr 2018! 

Ihr Team der Agentur Baumann

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