Lassen Sie uns durch, wir sind Profis

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elbermachen ist in! Und so einfach! Das funktioniert beispielsweise ziemlich gut bei Marmelade. Dabei kann ehrlich gesagt aber auch nicht viel schief gehen. Anders sieht es beim Do-it-yourself in der Wirtschaft aus, vor allem wenn es den Kreativbereich und das Marketing betrifft.

Professionalität scheint out zu sein. Das zumindest schein man festzustellen, wenn man die Veränderungen der vergangenen Jahre beobachtet. Ob Werbung oder Journalismus, Fotografie oder Film, Produktentwicklung oder Unternehmensberatung: Die Digitalisierung macht es möglich, dass die Laien den  Etablierten Konkurrenz machen. Jeder kann heute überall mitmischen, ohne jahrelange Berufsausbildung oder teures und professionelles Equipment.

Wieso das so ist? Der Zeitgeist fördert bei vielen Menschen eine grundlegende Skepsis gegenüber allem Etablierten: Klassische Medien oder Konzerne, die bestimmte Produkte schon lange und mitunter in makelloser Qualität herstellen, politische Parteien mit langer Tradition - was früher anerkennend als Professionalität gewertet wurde, sehen heute sehr viele Menschen kritisch. Außerdem: Wieso sollte man beispielsweise für ein Bewerbungsfoto viel Geld bezahlen, wenn die Kameras in den Handys heutzutage so gut sind, dass dabei, vielleicht mit entsprechendem Filter und mehreren Versuchen, am Ende ein ebenso passables Foto herauskommt – für sehr viel weniger Geld und Aufwand.

Egal wie sehr man diesen Trend verabscheut und egal wie viele Argumente man findet, die gegen eine Entprofessionalisierung sprechen: Diese Entwicklung ist nicht mehr zu stoppen. Deshalb ist es sinnvoller, sich zu überlegen, wie man am besten auf diese neuen Umstände reagieren kann.

1. Keine Panik und keine Arroganz

Vielen Profis fällt es schwer, die neue Konkurrenz der Laien in ihrem angestammten Tätigkeitsbereich zu akzeptieren. Sie nehmen sie nicht. Das ist menschlich verständlich, aber wirtschaftlich nicht sonderlich klug: Nur wer Disruption akzeptiert, wird sie überleben.

2. Zusammenarbeiten

Viele Firmen machen es schon vor, die Richtung ist die richtige: Sie binden die Laien aktiv in wichtige Prozesse ein und  kombinieren deren Anregungen mit dem Wissen und dem Handwerkszeug der Profis im eigenen Haus. 

3. Eigene Leistungen hinterfragen

Die Profis sollten sich folgendes fragen: Wo habe ich vielleicht tatsächlich die gewohnten Pfade zu lange nicht verlassen? In welchem Bereich meiner Leistungen ist ein frischer Blick möglicherweise wirklich hilfreich? Bei der Beantwortung dieser Fragen kann jeder einzelne nur gewinnen. Zum einen, weil er die Qualität seiner eigenen Leistung hinterfragen und deshalb zwangsläufig verbessern wird. Und zum anderen, weil es hilft, den Unterschied zwischen dem eigenen Angebot und den Leistungen, die Laien auf dem gleichen Gebiet hervorbringen können, besser herauszuarbeiten.

4. Bewusstsein für Qualität stärken

Wer deutlich macht, mit welchem Aufwand, mit welchen Überlegungen, mit welcher Absicht in einem Unternehmen oder einem Medium Entscheidungen getroffen werden, ermöglicht seinen Kritikern ein besseres Verständnis und damit auch ein höheres Maß an Anerkennung. Das ist vor allem eine kommunikative Aufgabe. Unternehmen sollten jede Gelegenheit nutzen, Einblicke zuzulassen. Nicht nur, wenn der Werbespot gedreht wird, sondern auch, wenn schwierige Entscheidungen anstehen oder das Unternehmen eine Leistung erbracht hat, auf die man zurecht stolz sein kann. Und die Haltung: „Wir reden nicht über unseren Erfolg, schließlich wollen wir nicht prahlen“ passt nicht mehr in unsere Zeit. Darüber zu reden, was man tut, wie man es tut und warum man es tut, ist eines der grundlegenden Erfordernisse für Unternehmen heute.

Fazit:

Wer ist mit der Konkurrenz der Laien aufnehmen will, muss an sich selbst arbeiten, die Position am Markt verbessern und die Chancen erhöhen, das Zielpublikum anzusprechen, das auf der Suche nach bestmöglicher Qualität ist und das auch bereit ist, dafür einen angemessenen Preis zu bezahlen erreichen. Und bestmögliche Qualität lässt sich nach wie vor nicht aus dem Ärmel schütteln. Auch wenn Laienhaftigkeit gerade en vogue ist: Gerade im Kreativbereich stoßen Kunden schnell an Grenzen, wenn sie keine professionelle Unterstützung suchen. Wir stellen fest, dass unsere Beratungs- und Konzeptionsleistungen immer wichtiger werden. Mag sein, dass digitale Technologien die Umsetzung einfacher machen. Aber das Denken nimmt einem noch keine Software ab.

Via: sueddeutsche.de

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