Trump: Twitter-Tricks und Daten-Power

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elchen Anteil hatten soziale Medien am überraschenden Erfolg von Donald Trump? US-Journalisten geben Einblicke, die aufzeigen, welche Kommunikationskraft soziale Netzwerke inzwischen entfalten können.

Der Twitter-Account von Donald Trump hat 14,1 Millionen Follower. Sein Facebook-Profil „gefällt“ 13,7 Millionen Nutzern. Vor der Wahl hat Donald Trump dort gegen seine politischen Gegner gewettert, mit Vorliebe nachts um drei. Wenn das Clinton-Team aufwachte, hatte Trump häufig das Thema des Tages gesetzt.

Die Bettflucht allein war es allerdings nicht, die seine Social-Media-Aktivitäten so erfolgreich machte. Es ging auch ums Geld. So forderte Trump bereits im Juli seine Follower auf, ihm kleine Geldsummen zu spenden. Dieser Tweet wurde 9.600 Mal geretweetet und etwa 24.600 Mal favorisiert. Die Einzelspenden halfen ihm am Ende, den Wahlkampf zu finanzieren – und zementierten zugleich das Bild vom Außenseiter, der ohne „Big Money“ des Establishment antritt.

Fake-Accounts und 20 Millionen Adressen

In den USA gibt es ein geflügeltes Wort: „Fake it till you make it“. Das bedeutet in etwa: Du musst nur lange genug so tun, als seist Du erfolgreich, dann stellt sich der Erfolg tatsächlich ein. Jeder Social-Media-Beauftragte und -Berater weiß: Das gilt auch für Reichweiten-Generierung. Insofern überrascht es nicht, dass Wahlanalysten wie Carl Bialik von FiveThirtyEight berichten, mindestens acht Prozent der Twitter-Follower von Trump seien Fake-Accounts.

Wer in den USA viele Twitter-Follower hat, gilt als Celebrity, zudem erzielt er bessere Treffer bei Suchanfragen. Dazu kommt noch die Kompetenzfrage: Ein Präsident, der fit ist in sozialen Medien, geht als fortschrittlich durch. Auch wenn er ansonsten eher rückwärtsgewandte Ziele verfolgt, etwa wie in Trumps Fall die Rückkehr der klassischen Industriebetriebe zugunsten neuer Technologien und ein Ende der Bemühungen um mehr Klimaschutz.

Das könnten Gründe dafür sein, dass Trump einer der Ersten ist, die Social Bots exzessiv nuten. Laut einer Analyse von Washington Free Beacon haben sich 64 Prozent der zum Erhebungszeitpunkt 12,1 Millionen @realDonaldTrump-Follower seit mehr als einem halben Jahr nicht mehr bei Twitter eingeloggt. Es könnte sich bei diesen Accounts um künstliche, in Server-Farmen gezüchtete Twitter-Bots handeln. Zugleich hat Trump einen enormen Datenschatz genutzt, um Spenden zu sammeln und um Stimmen zu werben: Die republikanische Partei hat ihm Zugriff auf ihre Datenbank gegeben. 20 Millionen Adressen, mit denen Trumps für diesen Zweck eingestellte Datenspezialisten und Programmierer unter dem Schutz des laxen US-Urheberrechts eine Kampagne nach der Anderen gefahren haben. Trump kann die Daten  weiter nutzen. Insofern wäre es für ihn auch zu verschmerzen, wenn er als Präsident nicht mehr nachts um 3 auf Twitter vom Leder ziehen könnte.

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